Die Geschichte des Bartes – Von der Steinzeit bis heute

Die Geschichte des Bartes

Steinzeit – Kein Mann ohne Bart

In der Frühzeit der menschlichen Kultur wurde der Bart nicht gestutzt oder geschnitten, er sollte so groß und wuchtig wie möglich sein. Denn je mehr Haare im Gesicht waren, desto mehr Wärme gab der Bart. Außerdem schützte ein Vollbart das Gesicht vor Staub, Schmutz oder der Sonne. Ein gewünschter Nebeneffekt dabei war die einschüchternde Wirkung gegenüber Rivalen. Vergessen werden darf aber auch nicht, dass den Männern damals kein wirklich gutes Werkzeug für eine Rasur zur Verfügung stand.

Eine Kultur rund um den Bart entsteht

Bei einer der ältesten Hochkulturen, den Mesopotamiern, spielte der Bart eine wichtige Rolle, galt er doch als Zeichen von Männlichkeit und Macht. Schon diese alte Kultur nutzte Bartöl, um den Bart gesund aussehen zu lassen. Außerdem spielte erstmal die Ästhetik des Barts eine Rolle, so wurde der Bart durch Lockenstäbe in Form gebracht. Und auch die Syrer und Perser legten Wert auf einen gepflegten Bart. Sie färbten das Barthaar sogar schwarz und rot.

Griechen, Römer und die Hygiene

In der griechischen Kultur war der Bart ein Zeichen von Weisheit und Würde und so galt es als ehrenvoll, einen Bart zu tragen. Je prunkvoller der Bart aussaß, unter anderem präpariert mit Zangen, desto höher war das Ansehen bei den Griechen.

Die Römer haben viel Zeit darin investiert, den Bart zu pflegen und zu trimmen. Es gab zu dieser Zeit bereits die Vorläufer heutiger Barbershops. Allerdings bedeutete eine Hygienereform von Lucius Tarquinius Priscus einen echten Einschnitt für die römischen Bartträger. Der König wollte die Glattrasur etablieren, was allerdings auf Widerstände stieß. Immerhin entstanden damals die ersten Rasierer.

Auch die Angelsachsen trugen gern Bärte, bis auch hier durch eine Reform das Rasieren per Gesetz angeordnet wurde. Lange Zeit waren Bärte danach weniger gern gesehen, bis die Kreuzzüge begannen und sich die Männer wieder Bärte stehen ließen. Wahrscheinlich spielte auch hier das verwegene Aussehen, das die Feinde einschüchtern sollte, eine große Rolle.

Bärtige Vielfalt

Die Männer fanden in der Folgezeit wieder Gefallen an Bärten und es kamen verschiedene Formen in Mode. In der Mitte des 16. Jahrhundert war der Bart wieder vollkommen etabliert und galt als regelrechtes Statussymbol.

Im Beginn des 17. Jahrhundert trugen viele Männer den sogenannten Van Dyke Bart. Der Name lässt sich auf einen flämischen Maler namens Van Dyke zurückführen. Ein kleiner „Nachteil“ dieses Barttyps: Er muss gut gepflegt werden. Und so verwendeten die Männer auch zu dieser Zeit Hilfsmittel, um die gewünschte Bartform zu erreichen, darunter Pomade, Bürsten und Kämme.

Der Bart ist ab und die Renaissance des Bartes

Kurz darauf verschwand der Bart jedoch wieder aus den Gesichtern der europäischen Männer, denn die Mode hatte sich geändert. Bärtige Männer wurden als raue und grobe Typen angesehen, was dem Idealbild des feinen, höflichen Gentlemans entgegenstand. Diese Phase der relativen Bartlosigkeit dauerte bis ins mittlere 19. Jahrhundert an. Der Bart galt nun als Zeichen für eine niedrige Position in der gesellschaftlichen Hierarchie; nur einfache Arbeiter oder Tagelöhner trugen Bart. Nichtsdestotrotz gab es auch zu dieser Zeit, insbesondere zu Beginn des 18. Jahrhunderts, Versuche, den Bart in Form von Backenbärten wieder zurück zu altem Ruhm zu verhelfen. Diese waren zu damals in der Tat äußerst populär und wurden später nach dem Vorbild der britischen Kavalleriesoldaten auch durch Schnurrbärte ergänzt, die sich ab 1840 immer größere Beliebtheit erfreuten.

In den 1850er Jahren begann die goldene Ära des Bartwuchses und es wurde von jedem noblen Gentleman erwartet, einen Vollbart zu tragen. Dies war eine Reaktion auf eine Krise des Männerbildes in der viktorianischen Zeit, u.a. auch, weil die Frauenbewegung damals ihren Anfang nahm. Der Bart sollte der Maskulinität verkörpern und ein wichtiges äußeres Zeichen eines starken Mannes sein. Dieser Trend hielt bis ins frühe 20. Jahrhundert, als wieder glatt rasierte Gesichter und Schnurrbärte in Mode kamen. Erst um 1965 explodierte die Popularität des Bartes wieder und die Gesichtsbehaarung war sowohl bei Hippies wie auch Geschäftsmännern angesehen. Auch in der Musikszene konnten zahlreiche verschiedene Bartvariationen beobachtet werden, wie beispielsweise bei den Beatles oder auch den Beach Boys und Jim Morrison. In den 90er Jahren waren schließlich wieder Van Dykes, Goatees oder auch gepflegte Vollbärte angesagt.

Alles geht mit Bart!

Heutzutage ist der Bart in der Tat wieder äußerst populär, wobei viele verschiedene Varianten sowohl von älteren, wie auch jüngeren Männern getragen werden. Besonders der Vollbart erfreut sich zurzeit insbesondere bei jüngeren Männern wieder großer Beliebtheit und ist in jeder Gesellschaftsschicht zu beobachten. Wie zu viktorianischer Zeit stellt er wieder ein Symbol für Männlichkeit und Attraktivität dar. Auch der 3-Tage Bart wird heutzutage wieder gern getragen: Der Mann kann ohne aufwändige Bartpflege oder lange Wartezeit einen etwas raueren, maskulineren Eindruck vermitteln. Der Bart ist aber nicht nur populär: Die Gesichtsbehaarung steht gegenwärtig mehr denn je für Individualität. Der Bart ermöglicht es Dank zahlreicher unterschiedlicher Stile, dass sich sein Träger von der Masse abhebt und seiner Persönlichkeit mehr Ausdruck verleiht.

Bärte sind momentan beleibt und dies wird sich wohl in nächster Zeit auch kaum ändern. Man darf aber definitiv gespannt sein, welchen Einfluss die Modetrends der Zukunft auf den Bart und seine Variationen haben werden.

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